| Whysky auf Shackletons Grab |
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In Südgeorgien, dem Land der Pinguine, geht Mitte Februar der Sommer in den Endspurt. Die Tage sind mit kaum 10° sehr kühl und die Sonne zeigt sich für höchstens 5 bis 6 Stunden. Die Hauptinsel der gleichnamigen Inselgruppe ist die zweitgrößte und gleichzeitig gebirgigste der den antarktischen Kontinent umgebenden Inseln, rund 160km lang und bis zu 30 km breit. An der Ostküste befindet sich der Hauptort, die Hauptstadt Grytviken, welche jedoch nur von einigen Forschern bewohnt wird. Die Metapher: ein Ort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wäre unzutreffend, schon eher ein Ort mit küssenden Pinguine, schäkernden Seeelefanten und träge in der Sonne herumliegenden Antarktischen Seebären. In dieser Abgeschiedenheit am anderen Ende der Welt liegt das Grab von Ernest Henry Shackleton, geboren am 15. Februar des Jahres 1874 im irischen Kilkea, der noch heute zu den bedeutendsten Polarforschern des sogenannten „heroischen Zeitalters“ zählt. 1922 starb Ernest Shackleton bei der Vorbereitung für seine dritte Expedition an einem Herzinfarkt - ausgerechnet auf der Insel Südgeorgien (South Georgia). Dorthin hatte sich Shackleton 1916 bei seiner zweiten Antarktis-Expedition mit einem kleinen Boot retten können, nachdem sein Expeditionsschiff "Endurance" vom Packeis zermalmt worden war. Shackletons Ehefrau Emily entschied, dass er dort seine letzte Ruhe finden sollte, wo er sich am wohlsten gefühlt habe. Die Frage stellt sich, wer war dieser Mann, den das Scheitern seiner Expedition berühmter gemacht hat, als die Erreichung seiner Ziele. Immerhin gebührte Shackleton drei Jahre lang die Ehre, derjenige zu sein, der am weitesten nach Süden vorgedrungen war. Die von ihm gefällte Entscheidung, noch vor Erreichen des Südpols umzukehren, begründete er mit der Aussage: „Better a live donkey than a dead lion. (Besser ein lebender Esel als ein toter Löwe.)“ Sein Leben in vielen Büchern beschrieben und auch filmisch in Szene gesetzt, fand in der Nachwelt die gerechtfertigte Bewunderung aufgrund der Tatsache, dass es Shackleton gelang bei seiner gescheiterten Expedition (1914 – 1916) alle Männer zu retten und heil nach Hause zu bringen. Über die Eindrücke, während sein Schiff im Packeis zerdrückt wurde, schrieb Shackleton in sein Tagebuch: „Die Wirkung des Druckes rundherum war furchterregend, mächtige Eisblöcke, festgehalten zwischen zusammenstoßenden Eisfeldern, erhoben sich langsam, bis sie wie Kirschkerne emporschnellten, die man zwischen Daumen und Finger presst. Der Druck von Millionen Tonnen sich bewegenden Eises zermalmte und vernichtete alles unerbittlich.“ Shackleton, der unter schwierigsten Umständen Unglaubliches geleistet hat, war ein extrovertierter Mensch, ein geborener Optimist und in der Lage, sehr viele Menschen für sich einzunehmen. Seine Leistung, in einer offenbar ausweglosen Situation einen klaren Kopf zu behalten, seine Männer stets zu ermutigen und durch besonnenes Handeln den Tod der Expeditionsmitglieder zu verhindern, beeindruckte nicht nur seine Zeitgenossen, sondern wirkt bis heute nach. Frank Wild, der nach Shacketons Tod die Leitung der Expedition übernahm, sagte über ihn: „Ich bin in der einzigartigen Situation, unter allen berühmten britischen Antarktisforschern gedient und damit einen persönlichen und detaillierten Eindruck ihrer Fähigkeiten erhalten zu haben. Meine Meinung ist, dass in den Punkten Führungsqualität, Organisationstalent, Mut im Angesicht großer Gefahr und der Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden, Shackleton unter allen hervorsticht und als bester Forscher seines Zeitalters gelten muss.“ Heutigertags ist Shackleton in der Erlebnispädagogik zum Symbol für beispielhafte Charaktereigenschaften wie Standhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein und gleichzeitig Kreativität geworden. Führung hieß für ihn nicht Hierarchie – im Gegenteil, Shackleton erkannte schon früh Methoden zur Motivation und suchte die Balance von Körper und Geist, auch in extremen Situationen zu vermitteln. Wenn am 15. Februar, dem Geburtstag von Ernest Shackleton, Touristen als auch Forscher seine Grabstätte in Südgeorgien besuchen, mitten im wärmsten Monat des Jahres, so werden viele von ihnen einem alten Seemannsbrauch folgend, am Grab dieses Mannes Whisky trinken, und ein Glas dieses heiligen Getränks über Shackletons letzte Ruhestätte vergießen. Vielleicht senkt in diesem Moment sogar der Wind seine Stimme, und aus weiter Ferne schwingen die Worte des Polarforschers Apsley Cherry-Garrard über das Pinguinparadies: „Gebt mir Scott als wissenschaftlichen Expeditionsleiter, gebt mir Amundsen für eine rasche und effiziente Polar-Expedition, aber gebt mir Shackleton, wenn sich das Schicksal gegen mich verschworen hat und ich einen Ausweg suche!“ Und langsam sickert der Whisky in die Erde………….
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