| Vom Fasching, Ebensee und den Fetzen |
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Faschingszeit ist Maskenzeit. Die Wurzeln des Maskentreibens liegen in religiös-magischen Riten. Das ursprüngliche Wort für die Verhüllungen des Gesichtes, das in der oberösterreichischen Mundart viel häufiger ist als die Maske, ist die Larve. Larven hießen bei den alten Römern die Seelen der Verstorbenen, die als umher irrende Schreckgestalten gedacht wurden. Auch beim alten deutschen Wort Schemen für Masken ist dieser ursprüngliche Hintergrund der Schattenwelt noch deutlich erkennbar. Geisterlärm kündigt ihr Erscheinen an und begleitet sie mit Klappern, Pauken, Schellen, Schwirrhölzern, Kuhglocken und anderen urtümlichen Instrumenten. Dieses Faschingstreiben ist nicht nur ausgelassene Unterhaltung, dahinter steckt die alte Moral von der „verkehrten Welt“, die alle Dinge auf den Kopf stellt und damit die wahre Ordnung eines naturgegebenen Oben und Unten umso eindringlicher vor Augen führen sollte: mit Narrenkönigen und falschen Prinzessinnen, Männern in Frauenkleidern und Faschingsnarren in zusammengeflickten Fetzen, wo der Bürgermeister für einen Tag den Schlüssel an die kleinen Leute abgibt und man im Schutz der Maske und des Maskenrechts den „Großkopferten“ ordentlich die Meinung sagt. Die Jesuiten, Meister des Theaterspiels, förderten dieses Spiel mit der verkehrten Welt, weil sie damit nicht nur die herrschende gesellschaftliche Realität, sondern auch den Sieg des Katholizismus und der Gegenreformation zu stabilisieren versuchten. Die evangelischen Reformatoren hingegen standen jeglichem Maskenrummel ablehnend gegenüber. Daher sind bis heute die Hochburgen des Faschingstreibens im katholischen Bereich zu finden: in Rom und Venedig, in Mainz und in Köln, in Tirol und nicht zufällig auch in Ebensee, das durch die Jesuiten von Traunkirchen aus geistlich reformiert wurde, und auf der anderen Seite des Salzkammerguts in Aussee, während das protestantische innere Salzkammergut als auch das Innviertel mit dem Fasching weit weniger anzufangen wussten. Im Laufe der Jahre hat sich der Fasching in Ebensee zu seiner heutigen, besonderen Form weiterentwickelt und war so stark verwurzelt, dass es 1733 sogar zur "Faschingdienstagrevolte" kam, als die Salinenverwaltung den bis dahin freien Faschingdienstagnachmittag abschaffen wollte. Man wollte lieber streiken und einen offenen Konflikt mit den Vorgesetzten in Kauf nehmen, als auf den Fasching zu verzichten. Seit nachgewiesener Zeit von 120 Jahren hat sich in Ebensee ein eigentümlicher Faschingsbrauch entwickelt und erhalten: Der Fetzenzug am Faschingmontag. Statt teurer Stoffe und Edelsteine kleidete man sich in Ebensee in alte Frauenkleider, welche mit Stofffetzen und ähnlichem Zierrat geschmückt wurden. Gleichzeitig verdeckte man sich das Gesicht, um der Obrichkeit, den „geliebten“ Nachbarn und Verwandten endlich die Meinung sagen zu können. Die Verkleidung kommt daher, dass die armen Leute früher nur ein Sonntagsgewand hatten, und dieses zum Fortgehen in die Gasthäuser nicht anziehen wollten, da oft auch schlechtes Wetter und Schmutz diesem geschadet hätte. So nahmen sie alte Kleidungsstücke, die auch durch Stoffflecken ausgebessert worden sind. So entstanden immer buntere, fetzige Mäntel, Jacken usw. Und um in den Arbeitsstätten keine Probleme zu bekommen, wenn die Leute in den Wirtshäusern Kollegen oder Vorgesetzte getroffen haben und während eines Abends diverse Sachen zur Sprache kamen, die in der Arbeit oder privat vorgefallen waren, haben sie sich so gut wie möglich verkleidet und die Stimme verstellt. So entstand das Fetzentreiben. Heutzutage bestehen die “Fetzengewänder“ aus alten Frauenkleidern, wo Lumpen (Fetzen) aufgenäht werden. Der Kopf wird mit einem „Fetzenhut“ bedeckt: dieser Hut hat viele Gestalten, Grundlage ist entweder ein alter normaler Hut oder ein extra aus Karton und ähnlichen Materialien hergestellter. Verziert wird er mit Kunstblumen, bunten Stofffetzen, Stofftieren, Vogelkäfigen, ausgestopfte Raubvögel und vielen anderen Accessoires, der Fantasie wird keine Grenzen gesetzt. Das Gesicht wird mit einer kunstvoll geschnitzten Holzmaske (Larve) verdeckt. In der Hand werden noch weitere Utensilien mitgeführt, wie ein alter zerrissener Regenschirm, Reisbesen oder Ähnliches. Jetzt wird es wichtig, dass die Verkleidung den Träger tatsächlich unkenntlich macht, denn nun erfolgt der eigentliche Höhepunkt: Das “Austadeln“. Das Ziel jedes einzelnen Fetzen ist es nämlich, den Leuten - ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung - die ungeschminkte Wahrheit und Meinung öffentlich in Erinnerung zu rufen. Das Wort wird nun zur Waffe. Was während des Jahres unterdrückt wurde, wird nun mit verstellter Stimme und spitzen Worten zum Ausdruck gebracht. Manche Fetzen werden hier zu wahren Meistern des „Austadelns“. Der geschlossene Zug geht bis zum Rathaus von Ebensee, dort verteilen sich die Fetzen auf die Gasthäuser von Ebensee, wo das illustre Treiben lustig feiernd bis in den Faschingsdienstag mündet.
Fåschingtåg, Fåschingtåg, kimm na bald wieda, |



