| Ludwig Hirsch – Damals |
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Damals im Jahr 1983, als die Grenzen Österreichs noch streng abgesichert waren, damals als Fred Sinowatz österreichischer Bundeskanzler war, damals als die Benzinpreise in Deutschland noch günstiger waren als bei uns, wir mitunter bewundernd auf die deutsche Zielstrebigkeit blickten, prallte urplötzlich ein Beschluss des Deutschen Bundestages über die Grenze in unsere Alpenrepublik, der bei uns nicht nur Verwunderung, sondern hellauf Empörung auslöste. Am 22. November 1983 billigte der Deutsche Bundestag die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen – Pershing 2 – in der Bundesrepublik. Ein knappes Monat später wurden die Pershing-2-Raketen beim Herstellerwerk Martin Marietta in zwei Transportflugzeuge verladen und auf den Weg gebracht, 18 Raketen an der Zahl, verpackt in 90 Kisten. Die Raketengattung Pershing-2 war das am wenigsten erprobte und daher das unzuverlässigste Waffensystem dieser Art, das je an die Truppe überstellt wurde. Mindestens um ein Jahr hatten sich Entwicklung und Erprobung beim Hersteller verzögert, die Auslieferung erfolgte trotzdem. Der Journalist Charley Reese, Leitartikler beim „Orlando Sentinel“, formulierte diesen Umstand mit markigen Worten: „…damit endlich Tatsachen geschaffen werden, und den europäischen Schlotterhosen das Friedensgetue vergeht!“ Die Stationierung dieses Raketensystems im Nachbarland brachte auch nach Österreich Zorn, Angst und vieles mehr. Der Liedermacher Ludwig Hirsch nahm dies zum Anlass, um den von Drafi Deutscher geschriebenen Song „Marmor Stein und Eisen bricht“ neu zu interpretieren, auf seine Weise, rockig und mit neuem Text:
Wein doch nicht, wann’s regnen tuat, dam dam dam dam Kreuzkruzifix hast kane andern Sorgen, dam dam dam dam Marmor Stein und Eisen bricht, ins Gras wer’ma beißn, ob’s uns schmeckt oder nicht Alles alles geht vorbei durch die Pershing 2
Dass mir ja kaner sagt, des Ganze geht mi nix an, dam dam dam dam Wann’s bei de Piefke oben knallt, san mir genauso dran, dam dam dam dam Marmor Stein und Eisen bricht Eia popeia nix mehr raschelt im Stroh, dam dam dam dam Unser Kätzchen ist gestorben auch das Mäuschen ist tot, dam dam dam dam Marmor Stein und Eisen bricht….
Damals, im Dezember 1983, beim Konzert in der Vöcklabrucker Stadthalle, als ein genialer Ludwig Hirsch das Publikum begeisterte, die Herzen anrührte, sprach er von diesem Lied mit der Pershing 2: „Ich darf diesen Song nicht mehr spielen, Streitereien um den Text, rechtliche Schwierigkeiten, und und und….“ Er hielt einige Atemzüge inne, schaute mit ernstem Blick in die Menge, sagte schließlich lächelnd, „was soll’s, ich sch…., pfeif drauf!“ Und er legte los, rockte den Saal, die Menge sang den Refrain „alles alles geht vorbei durch die Pershing 2“. Dies war seine Art, die ganz besondere Art von Ludwig Hirsch, sich für Dinge einzusetzen die ihm am Herzen lagen, so wie er sich in seinen Liedern stets als Fürsprecher der getretenen Spezies, der Tiere angenommen, seien es Wölfe, Frösche, Wale….
Ludwig, Du wirst uns fehlen, requiescat in pace! |



