| Hahnenkammrennen – die härteste Abfahrt der Welt – „es lebe der Sport….“ |
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Bereits der Blick vom Starthaus auf die steilste Abfahrtspiste der Welt nimmt demjenigen, der den Wintersport Schilauf hobbymäßig betreibt, den Atem, beschleunigt den Puls in Sekunden und löst das aus, was gemeinhin als brutale Angst bezeichnet wird. Nach der Pista Stelvio in Bormio besitzt die Streif den steilsten Startschuss der Welt, nämlich ein Gefälle von 50%. Aber im Gegensatz zu Bormio - dort weist der Starthang 63% auf und ist gleichzeitig das steilste Stück dieser Abfahrt im Herzen des Nationalparks Stilfser Joch -, mündet der Startschuss in den ersten Sprung Mausefalle mit einem Gefälle von sage und schreibe 85%. Je nach Streckenpräparierung springen die Rennläufer dort bis zu 60 Meter weit, in den 70er-Jahren erreichten manche sogar 80 Meter. Der Schirennläufer Roland Thöni, in den 70ern gemeinsam mit seinem Cousin Gustav, einer der besten Slalomläufer der Welt, brachte die im Rennläufer aufkommenden Gefühle beim Start des Hahnenkammrennens auf den Punkt: „Du stehst am Start, schaust runter – und hast das Gefühl, ein Turmspringer zu sein.“ Sogar der Rennläufer, welcher die Streif am öftesten als Sieger verließ, sagte über diese Abfahrt: „Als ich 1973 mit 19 Jahren zum ersten Mal oben am Starthäuschen stand, habe ich auch gesagt, die sind alle komplett verrückt. Ich fahr da nicht runter. Und gefahren bin ich schließlich doch.“ Innerhalb zehn Jahren gewann Franz Klammer die Hahnenkammabfahr vier Mal, 1975, 1976, 1977 und 1984. Nicht umsonst zählt der Abfahrtslauf als Königsdisziplin des Schisports. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit gilt die Abfahrt als die riskanteste aller Disziplinen, immerhin erreichen die Rennläufer beim Hahnenkammrennen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h, große Kraft, Ausdauer, exzellente Schitechnik und viel Mut sind unabdingbar, um an der Weltspitze bestehen zu können. Diese Athleten gelten als moderne Gladiatoren einer Welt, die Sieg und Niederlage voyeuristisch betrachtet, dafür den Gewinnern Ruhm und Anerkennung verleiht. Letztere selbstverständlich nicht alleinig als Huldigung, sondern zusätzlich mit monetären Mitteln, in Form von Preisgeld, Werbeverträgen oder lukrativen Jobangeboten für die Zeit danach. Die Massen entlang der Strecke, längst organisieren die Veranstalter derartige Sportereignisse als Events, feuern die Sportler lauthals an, leiden im Ziel mit ihren Favoriten, und freuen sich über Siege ihres Landsmannes, nicht bedenkend, dass die Rennläufer die mit dem Sieg verbundenen Risiken weder für ein Land noch eine Organisation eingehen, sondern einzig für sich selbst. Der Zielraum eines Abfahrtslaufes spiegelt Stimmung und Gefühle der römischen Arenen wider, als die Kaiser das Volk mit „Brot und Spielen“ bei Laune hielten. Mittlerweile reicht das Angebot von heißen und mehr oder weniger alkoholischen Getränken, Grundnahrungsmitteln wie Bier und Wein bis hin zu Champagner. Als besonderes Gourmetschmankerl können potente und zahlungswillige Besucher Austern und andere deliziöse Köstlichkeiten erwerben. Verstärkend und unterstreichend auf den Vergleich mit dem alten Rom wirkt die VIP-Tribüne, Landezone der allseits bekannten Prominenz aus Film, Sport, Unterhaltungs- und sonstiger Industrie, welche mit ihrer Präsenz die Verbundenheit zum Sport auszudrücken versucht. Das Gerangel, um für Sekunden auf dem Fernsehbildschirm zu landen, gewinnen häufig jene, die ihr Äußeres mit extravaganten Kleidungsstücken verhüllen, oder zu jenen Mitteln gegriffen haben, die Sportlern verboten sind. Denn wie anders, als Doping für Gesicht und Figur, wären jene Eingriffe zu beschreiben, deren abstrusestes männliches Ergebnis auf den Loipen rund um Kitzbühel werbend einherläuft und sich Costa Cordalis benennt. Mit dem Botoxmaterial der in Kitzbühel zur Schau gestellten Puppengesichter ließe sich die schwierigste Abfahrt der Welt präparieren, und in manch noblen Luxusherbergen soll es vorgekommen sein, dass dem Anmeldeformular anstatt des Reisepasses versehentlich der Register-Pass für Silikonimplantate beigeben wurde. Den mutigen Abfahrtssieger beklatscht die Glamourwelt in abendlichen Partys und reicht diesen quer durch die Lokalitäten und Betten Kitzbühels. Diesen Genüssen sind Sportler nicht abgetan, vor allem sind diese legal, denn ebenso wie Dopingmittel sind ihnen Stimulanzen wie jenes Substrat des Cocablattes verboten, dem Promis zuhauf verfallen, und mit dessen Hilfe es ihnen gelingt, gar nicht so selten, Marktwert und Publicity zu steigern. Für Sportler würde dies das unweigerliche Aus ihrer Karriere bedeuten, einzig ein Jobangebot beim ORF als Co-Kommentator stünde zur Wahl. Die Stadt Kitzbühel selbst, deren berühmtester Sohn der Schirennläufer Toni Sailer als Blitz von Kitz in die Annalen einging, blickt auf eine bewegte und länderübergreifende Vergangenheit zurück. Bereits im Jahre 1271 das Stadtrecht erhalten, wechselte die Zugehörigkeit der Stadt mehrmals zwischen Tirol und Bayern, letztmals als Kaiser Franz I. von Österreich, Tirol an Bayern abtrat. Dank dem Sturz Napoleons diese Rochade jedoch bald ihre Gültigkeit verlor. Heutigertags zählt sogar Kaiser Franz zu den Bewohnern dieser malerischen Kleinstadt, dieser jedoch nicht mit Zepter regiert sondern schwungvoll mit dem Golfschläger. Politisch gesehen forciert die Stadt Kitzbühel eine progressive und tolerante Einwanderungspolitik, die ermöglichte, dass sich das Edelkristall Fiona samt dazugehörigem und in Juristenkreisen bestens bekannten Polit-Sunny-Boy Karl-Heinz dort ansiedeln durften. Als Promistar des heurigen Hahnenkammwochenendes gilt Arnold Schwarzenegger, sollte dieser länger verweilen, wäre es durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Geburtenzahl in Kitzbühel drastisch ansteigt. Das Hahnenkammrennen gilt nebst dem Konzert der blonden Stimme, als das Großereignis von Kitzbühel schlechthin. Für alle Sportfans denen es nicht möglich ist, in Kitzbühel dabei zu sein, übertragen die TV-Anstalten das Schirennen des Jahres. Zur Einstimmung auf dieses Ereignis empfiehlt sich das Lied von Reinhard Fendrich: „Es lebe der Sport!“ Es lebe der Sport Weltcupabfahrtsläufe machen ihn a bisserl müd weil er is abgebrüht. Es lebe der Sport Wenn einer bei der Zwischenzeit, sich zwanglos von am Ski befreit, Es lebe der Sport |



