| Großmutters Verteiler |
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Die sonntägigen Familienessen bei Großmutter hatten wie immer den Charakter eines Großereignisses, einerseits die lukullischen Köstlichkeiten und andererseits die grandiose Stimmung und nicht zu vergessen ihre launige Fürsorge, mit der es ihr stets gelang, uns Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Und auf die Frage: „Hat’s geschmeckt?“ antwortete, wie aus der Pistole geschossen, ein Chor: „Gut, aber fett!“ Und Großmutter reagierte stets mit einem Lachanfall, laut und tief. Sie kannte ihre Gäste, wusste natürlich was diese Antwort bewirken sollte, kredenzte uns ihren „Selbstgebrannten“ auf, den wir umgangssprachlich als „Verteiler“ benannten. Eben ein Fett-Verteiler. Dieses Synonym für Schnaps brannte sich in Großmutters Wortschatz ein, und eines schönen Montags, als sie bei ihrem Nachbarn, dem Pfarrer zu einem Frühstücksbesuch bei Kaffee und Kuchen verweilte, fragte dieser: „Frau Huber, ich benötige dringend einen Verteiler, können Sie mir einen solchen besorgen?“ Großmutter dachte nicht im entferntesten Sinne an einen Stromverteiler, blickte nur mit einem kurzen Blick auf ihre Armbanduhr und meinte trocken: „Glauben Sie nicht Herr Pfarrer, dass es für einen „Verteiler“ noch sehr früh ist?“ Herr Pfarrer blieb die Antwort schuldig, staunte nur baff und verständnislos……….. |



