| Griechenland, der Urlaub - aus dem Roman TRICHTERSPRUNG |
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(Heide erzählt.....) Ich lag auf dem Oberdeck des Ausflugsschiffes, hatte mich so platziert, dass meinem Körper kein Sonnenstrahl verloren ging, mich die Sonne von vorne anschien. Der Wind kräuselte das Meer und zauste mein Haar, die Frische tat gut. Das Schiff schaukelte mich in eine angenehme Entspannung, sah, wie die erste der angesteuerten Inseln näher rückte, beobachtete den Anlegevorgang. Auf Kalymnos, der Heimat der Schwammfischer, tranken wir griechischen Kaffee; einmal hätte ich mich fast versprochen und den Kaffee als türkischen bezeichnet. Als ich Stefan fragte, warum er mich nicht unterbrochen hatte, antwortete er mit gespieltem Entrüsten: „Ich bin doch kein Oberlehrer!“ Stefan fand es überaus komisch, dass ich nach dem Kaffee vor lauter Durst zwei Flaschen Bier trank. Ich tat so, als tränke ich von der Flasche, prompt rann mir das Bier über meinen Oberkörper Stefan kommentierte nur: „Aufregend erregend!“ „In der letzten Zeit schütte ich mich oft an, rate mal, wer mich so verwirrt?“ Nach Kalymnos steuerten wir die Inseln Leros und Patmos an, alles wunderschöne kleine Inseln. Patmos war um die 30 km2, eine liebliche kleine Insel, an deren Kiesstrand wir nach dem Mittagessen kurz ins Meer eintauchten. Gleich neben der Straße badeten wir, um uns tobten einheimische Kinder, deren Haut wunderschön braun gebrannt war. Lauter hübsche, dunkelhaarige Kinder, alle schlank. Ich fragte mich, welche Möglichkeiten Kinder hatten, die hier aufwuchsen. Zukunftsaussichten, Chancen für eine gediegene Ausbildung? Sie schienen glücklich zu sein. Die kleinen weißen Häuser mit den blaugrünen Fensterkreuzen, ebensolchen Holzläden wirkten reizend, zum Verlieben. Die Kombination der Farben Weiß und Blau gestaltete diese Inseln so lebendig und frisch. Den Booten im Hafen war anzusehen, dass die Besitzer sich das Geld schwer verdienten. Kein Luxus an Bord, die Boote farbenfroh gestrichen. Der Wind und das Salz des Meeres hatten sich in unzähligen Fahrten der unterseitigen Anstriche der hier ankernden Fischerboote bemächtigt, sie angefressen, angeknabbert. Ein Inselziel lag noch vor uns, die kleinste, die Insel Lipsi. Punkt drei Uhr lief unser Schiff in den Hafen von Lipsi ein. Eine klitzekleine Insel mit vielleicht hundert Häusern, weiß mit blauen Fenstern, die meisten in den Hang gebaut. Die spärlich mit Büschen und Pflanzen bedeckten Hügel zogen sich über die ganze Insel, das Gras von der Sonne verbrannt. Der erste Eindruck ist der beste, sagt man. Wenn ich die anderen Inseln schön fand, von ihnen angetan war und begeistert, was war dann mit dieser hier? Verzückt schaute ich von der Reling auf das wunderschöne Bild, spürte den romantischen Zauber, der über dieser Insel schwebte. Auf dem großen Platz vor der Anlegestelle, ausgetrockneter, steiniger Erdboden, standen winkende Menschen, begrüßten das Schiff. Aus einem Lautsprecher hörten wir die melancholischen Klänge griechischer Musik. Schöne, grelle Farben von Türkis, Blau, Rot und Grün bis zu den Zwischentönen färbten den kahlen Platz. Viele in lebhafter, bunter Tracht gekleidete Kinder mischten sich ins Bild, hielten sich an den Händen und tanzten zur Musik. Sie tanzten im Kreis, einmal nach rechts, dann wieder nach links, drehten sich, tanzten um ein Paar. Griechische Götter. Der Mann, ein Bilderbuchgrieche, schlank, schwarzhaarig, hübsch, die Tanzpartnerin ebenbürtig, Götter eben. Der Wind plusterte die farbigen langen Röcke der Mädchen auf, zupfte an den dunklen oder weißen Blusen, blies in die fröhlichen Gesichter. Das hellblaue Band um die linke Hand gebunden, legte der Mann die Schwermut und Tiefe der Musik in seine Bewegungen, wechselte so wie die nun ertönenden griechischen Weisen zur ausgelassenen Fröhlichkeit. Die Partnerin hielt das Band, tanzte in ihrem türkisen Traum, bewies den Stolz der Inselbewohner. Ich drang aus der Wirklichkeit in die Welt der lebendigen Märchen ein, bestaunte diesen Traum. Ganz langsam löste sich der Zauber, welcher die Menschen auf dem Schiff gebannt hatte, Applaus. Während wir das Schiff verließen, stoben die Kinder winkend und lachend davon. Männer warteten vor ihren Autos, boten eine Inselrundfahrt an. Auf die Ladefläche ihrer Inselmobile hatten sie Holzbänke und Sessel geschraubt, verdingten sich so in der Saison als Führer. Die Fahrt dauerte nicht einmal 15 Minuten, die Insel war nur ein paar Kilometer lang. Vom höchsten Punkt übersah man alle Seiten der Insel, überschaute diese kleine Welt, die nur ein Sandkorn in der großen Welt war. Die blaue Kuppel des Himmels wölbte sich über die karge Insel, deren weiße Häuser unter dem Sonnenlicht glänzten. Die Zeit stand still, nur der Wind brachte Bewegung. Melancholie packte mich über so viel Schönheit, ließ mich die hier lebenden Menschen beneiden und bewundern. Ein Platz an der Sonne, ein Platz im letzten Winkel der Erde, einsam und verlassen, rundum nur die Weite des Meeres. Kein Kino, keine Boutiquen, ein Geschäft, eine Kneipe und ein kleines Hotel mit zehn Touristen im Juni. Ich blickte in die verwitterten, aber freundlichen Gesichter der Menschen, zeitloses, nicht schätzbares Alter. Die Paarung Sonne und Sturm ritzte die Kerben. Wer hier lebte, der starb auch hier. Ich fragte mich, wie diese fröhlichen Menschen die Einsamkeit der Winter ertrugen, wenn das Wetter die Insel bestürmte. Sonne war Leben, aber wie trotzten sie, wenn das Leben einmal erlosch? „Möchtest du hier leben?“ „Ich glaube nicht, nur sterben“, sagte Stefan. Auch in Stefan waren schwermütige Gefühle erwacht, obwohl er schon einmal hier gewesen. Hand in Hand wanderten wir zum Schiff zurück, winkten der Insel zum Abschied zu, winkten, als sie nur noch ein kleiner Punkt in der unendlichen Weite des Meeres... |



