| George Orwell: Big Brother is watching you |
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Eric Arthur Blair, der den Künstlernamen George Orwell annahm, um eine Grenze zu ziehen zwischen seiner sozialkritischen Schriftstellerei und seiner, wie er es benannte: Lower-Upper-Middle-Class-Familie, wurde in Bengal in Indien geboren, wuchs jedoch in England auf. Er erhielt ein Stipendium für ein Studium in Eton, tat sich dann aber in seiner Zeit dort in keinster Weise hervor, widmete sich lieber einer Art außerstundenplanmäßiger Selbstausbildung, u.a. durch Lektüre der Werke von H. G. Wells, G. B. Shaw und Charles Dickens, deren Einfluss – sowohl in literarischer als auch gesellschaftskritischer Hinsicht – deutlich in Orwells späterem Schaffen zu spüren ist. Nach dem Studium ließ sich Orwell (von 1922 – 1927) für die britische Militärpolizei in Burma rekrutieren – eine etwas eigenwillige Entscheidung, die Orwell mit einem starken Schuldgefühl und einer noch stärkeren Abneigung gegen den Imperialismus zurückließ. Es folgte eine Art Vagabundenleben in Paris und London, während dem er seine ersten Artikel veröffentlichte und aus dem sein erstes Buch, die Armutsreportage Down and Out in London and Paris, hervorging. Die Reportage brachte ihm einen langfristigen Vertrag mit dem Verleger Victor Gollancz ein, für den Orwell seine traditionellen Romane schrieb. Das bemerkenswerteste dieser Werke ist wohl Coming up for Air (Auftauchen um Luft zu holen), das bereits den Blick in eine dystopische Zukunft wirft, wie es 1984 später in weit größerem Ausmaß tun sollte. Es entstand zusammen mit den Kriegsmemoiren Mein Katalonien, nach Orwells sechsmonatiger Teilnahme am Bürgerkrieg in Spanien, während dem der Schriftsteller an der Kehle verwundet wurde und zu den endgültigen Überzeugung der Destruktivität jeglichen totalitären Systems kam – eine Überzeugung, die Orwell zum engagierten Sozialdemokraten machte und sich in seinen beiden berühmtesten Werken literarisch manifestieren sollte. Diese entstanden in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg, während Orwell zunächst als Sprecher für den BBC und dann als Kolumnist für die linksgerichtete Tribune tätig und bereits von Tuberkulose gezeichnet war. Farm der Tiere und 1984 wurden ungeheuer erfolgreich, sowohl vor Orwells Tod, als auch danach. Beide wurden 1955 verfilmt und zählten bereits in den 50ern zur vielgelesenen Schullektüre. Die Farm der Tiere entstand aus Orwells Enttäuschung über den sowjetischen Kommunismus und war auch als Warnung an die britischen Intellektuellen gedacht, bei denen selbiger während des Zweiten Weltkriegs in hohem Kurs stand. Genau aus diesem Grund hatte Orwell Schwierigkeiten, sein Werk überhaupt veröffentlicht zu bekommen. Der konkrete gesellschaftspolitische Bezug dieser scharfen Analyse des Scheiterns der Russischen Revolution verhindert nicht eine fesselnde Allgemeingültigkeit der Farm der Tiere, die der Roman nicht zuletzt durch die alte Form der Tierfabel erreicht. Orwell selbst meinte treffend über dieses Buch, es sei sein erstes, das politischen und künstlerischen Zweck zu einem harmonischen Ganzen vereine. Die Geschichte über die Rebellion der Farmtiere gegen die Menschen, setzt sich mit der wirklichkeitsmanipulativen Macht von Sprache auseinander und hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Auch 1984 beschäftigt sich mit dieser Thematik. Das darin entworfene totalitäre System wird vom anonymen Big Brother und der Intelligentia der Inner Party (Inneren Partei) beherrscht, die das Volk mit Hilfe ausgefeilter Propaganda unter Kontrolle und Nicht-Denken halten. Diese Propaganda generiert einen stilisierten Feind auf der einen und die benevolente Gestalt des Big Brother auf der anderen Seite. Der Roman erzählt von der sehr persönlichen, ja kleinen Rebellion des Protagonisten Winston Smith gegen dieses extrem anti-individualistische System und derem letztendlichen, niederdrückenden Scheitern, ist aber weniger als pessimistischer Zukunftsentwurf denn als Warnung gedacht. 1984 – der Titel ist eine Umkehrung des Entstehungsjahres 1948 – ist letzten Endes, damals wie heute, genauso sehr Gegenwartsspiegel wie Entwurf einer möglichen Zukunft. |



