Die wahre und traurige Geschichte von Manuel – Gedankensplitter eines jungen Lebens PDF Drucken E-Mail

Immer dann wenn ich die Täler meines Lebens durchlaufen bin, auf Höhen zusteuere, rücken die Streiflichter von Manuels kurzem Leben in mein Denken. Damals, einen weiten Lebensweg bereits durchschritten, kreuzten sich unsere Wege für einen Moment in der Unendlichkeit des Universums. Der mit damals 22 Lenzen ausgestattete hübsche und junge Mann, geriet durch einen Zufall des Schicksals an mich, der knapp das Doppelte an Manuels Alter mit sich trug, sein Lächeln traf mein Herz.

Zig chemotherapeutische Behandlungen hatten seinen Augen den Glanz genommen, Blässe in sein Gesicht getrieben. Sein sanftes Lächeln hatte er sich bewahrt, dieses erinnerte mich, jeden Tag aufs Neue, an einen Sonnenaufgang der den Nebel durchbrach. Rigoros und mit Strahlen behandelte die Schulmedizin den diagnostizierten Brustkrebs, sah über das Innere hinweg. Die grenzenlose Liebe der Eltern führte sie zu einem Strohhalm, den sie Mentaltrainer benannten. Und so legten wir ein kleines Stück unseres jeweiligen Weges gemeinsam zurück. Der Trainer, dem nach einem Donnerschlag des Lebens Krücken vorhergesagt, die Meinungen und Diagnosen im Wind versprühen hatte lassen, und das tat, was er angeblich nicht mehr konnte, laufen, laufen, laufen………. bergauf, bergab, Marathons, laufen im Tale und in die Berge, die Weisheit der hawaianischen Indianer zu seinem Credo machte: „pono – Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit!“

Manuel beschenkte mich mit seiner leisen gefühlvollen Art; sich selbst hatte er immer zurückgestellt, sorgte sich nicht um sich, sondern Tag für Tag um andere, die ihm unwissend den kümmerlichen Rest seiner verbliebenen Kraft entzogen. Die Chemie tötete nicht nur Keim als auch Leben, verbrannte die Jugend in seinem Inneren. Stunde für Stunde, Tag um Tag, Woche für Woche.

Unsere Freundschaft belohnte er, in dem er den Pegel seines Selbstwertes höher und höher schraubte, Stunde um Stunde, Tag um Tag, doch die Zeiger der Uhr kreisten zu schnell, viel zu schnell!

Die rationale Welt beschnitt Manuels Traum vom Motorrad, versteckte die Realisierung hinter nüchternen Aussagen und Ratschlägen, sah nicht durch die winzige, noch offene, Tür seiner vom Krebs zerfressenen Welt. So oft hatten wir diesen Traum ausgepackt und waren mit laut knatterndem Motor durch unsere Gedankenwelt gebraust, ich am Sozius ohne Sturzhelm, die Haare flatterten im Wind und wir sausten mitten in die Sonne hinein.

Zwei Tage vor Faschingssonntag, ein nicht allzu kalter Wintertag, sieben Minuten vor Mittag: sein Vater ließ den Kleinbus langsam über den feuchten und dunklen Asphalt vor unserem Haus rollen, auf  der Beifahrerseite lachte und strahlte mir Manuel entgegen. Mit vorsichtigen Bewegungen, wie in einer unendlichen Zeitlupe, entstieg er, bedächtig die Klinke der rückwärtigen Tür aufgeschoben und auf der Ladefläche im Inneren stand sein Traum. Ein wunderschönes Motorrad, wie ich nie zuvor ein schöneres gesehen.

Umarmen, lachen und weinen, leise flüsterte er……….. „danke ….du!“

Benutzt hat Manuel sein Motorrad nur in seinen Träumen, denn bald darauf ging er.

………………….und mitunter, wenn ich wieder ein Tal durchschritten, und es mir unheimlich gut geht, ziehe ich mich zurück in die Berge meiner Heimat, lass‘ meine Gedanken schweifen und in die Wolken ziehen, ……der Wind zaust mein Haar, und ich fühle mich am Sozius eines wunderschönen Motorrads sitzend, schaue in die Unendlichkeit des blauen Himmels, und die Sonne schickt mir mit einem Lichtstrahl das Lächeln Manuels………………….

 

(CR GUEHA 2010)

 

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