| Bruderliebe in Frankenburg |
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Es geschah in meiner oberösterreichischen Heimat vor einigen hundert Jahren, knapp nach Ausbruch des 30jährigen Krieges. Kaiser Ferdinand II. hatte Staatschulden in Millionenhöhe, noch dazu eine disziplinlose und heruntergekommene Armee, und die „Böhmischen Aufständischen“, die bereits kurzfristig mit Waffengewalt an die Tore Wiens gepocht hatten, mussten in die Schranken gewiesen werden. In dieser misslichen Lage nahm der Kaiser die Hilfe des bayrischen Herzogs Maximilian I. an, das Land „ob der Enns“ wurde an Maximilian verpfändet, welcher im Gegenzug Unterstützung gegen die böhmischen Truppen bot. Zunächst ließ der Bayer in Oberösterreich für Ordnung sorgen. In diesem Teil der kaiserlichen Erblande, der an Maximilian verpfändet war, stand ein großer Teil des Landadels unter Waffen. Geldquellen und Ressourcen waren für Maximilian in Gefahr, und es ging um die Wiederherstellung der alten Ordnung. Es ging aber auch um Disziplinierung und um ein Exempel für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung in diesem protestantisch geprägten und aufsässigen Gebiet. So waren die Aufständischen der Willkür der Soldateska Maximilians ausgeliefert, als am 23. Juli 1620 das Heer der katholischen Liga unter dem Oberbefehl des Grafen Tilly die Grenze Österreichs überschritt. Vor Tillys Truppen flohen die Bauern, und die Söldner schlachteten mutwillig das gesamte Vieh ab. 25.000 Söldner vieler Nationen, von Jesuitenpredigern angefeuert, erzwangen am 4. August 1620 in Linz die Unterwerfung der österreichischen Stände. Zum Statthalter des bayerischen Herzogs wurde Graf Herberstorff ernannt. Die rücksichtslose Rekatholisierung und der wachsende Steuerdruck brachten sehr bald nicht nur die oberösterreichischen Stände, sondern immer mehr auch die Landbevölkerung gegen den neuen Statthalter auf. Die Bauern, denen es zunehmend schlechter ging, da ihre Abgaben und Dienstleistungen immer höher, ihre Rechte aber immer geringer wurden, wehrten sich gegen diese Behandlung. Die neue Glaubenslehre Martin Luthers, hatte über die Jahre im Bauernstand Einzug gehalten. Und so kam es im Mai 1625, als in Frankenburg ein römisch katholischer Geistlicher eingesetzt werden sollte, zum bewaffneten Aufstand der seit vielen Jahren evangelischen Bürger und Bauern. Diese Rebellion wurde jedoch nach drei Tagen wieder aufgegeben, da der bayerische Statthalter Adam Graf von Herberstorff Gnade versprach, falls die Aufständler ohne Wehr und Waffen zum Haushamerfeld kommen. Diese Gnade war jedoch schrecklich: 36 Ausschussmänner mussten paarweise um ihr Leben würfeln. Die Hälfte von ihnen fand den Tod durch den Strick. Die Ersten, die zu würfeln hatten, waren die Brüder Derflinger aus Neuhofen. Keiner aber wollte den höheren Wurf getan und dadurch sein Leben gerettet haben. Hans, der jüngere, der acht Augen und damit zwei mehr als sein Bruder geworfen hatte, sagte: "Mein Bruder hat nicht sechs, er hat mehr Augen, zwei haben mich seit dem Tode der Mutter bewacht, zwei haben für mich gesorgt, seit der Vater tot ist, und zwei haben froh geblickt, als er meinte, den geringeren Wurf getan und dadurch den Bruder befreit zu haben." Wegen dieser brüderlichen Liebe wurden die beiden begnadigt.
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