Amy Winehouse - Club 27 PDF Drucken E-Mail

Als in den späten Nachmittagsstunden des 23. Juli 2011 die Nachricht über den Tod von Amy Winehouse bekannt wurde, bündelte dieses Ereignis nicht nur die Aufmerksamkeit einer weltweiten Presse aus der Musikszene, ein trauriger Aufschrei ging durch ihre über den Globus verteilte Fangemeinde. Amy Winehouse galt als eines der größten Musiktalente ihrer Generation, diese Tatsache ebenso bekannt wie die Problematik ihres Umgangs mit Suchtmitteln. Nur zwei Alben hat Amy Winehouse in ihrem Leben aufgenommen, „Frank“ und „Back to Black“, letzteres wurde zehn Mio. Mal verkauft und darauf zu hören sind nur Hits. In dem Song „Rehab“ weigert sie sich, eine Entzugsklinik zu betreten, im Titel „You know I'm no good“ spricht die Seele: „Ich habe dir gesagt, dass ich eine Last bin, du weißt dass ich nichts tauge…“

Zeitlos ihre Kunst mit einem Hauch von Nostalgie, die Lieder voll Finesse, aber eingängig und massentauglich, gesungen mit dem Antrieb aus tiefster Seele, und einer Stimme die  all ihre Laster reflektiert, ihre Stimmungsbilder nachzeichnet, erkennbar macht, dass ihre Süchte einer ewigen Suche entstammen, die nirgendwo anders hinführt als in die Finsternis.

Rhythm'n'Blues'n'Soul! Von den Kritikern gelobt, mit fünf Grammys ausgezeichnet, die sie persönlich nicht annehmen konnte, da die USA der Britin die Einreise verweigerte, weil sie kurz zuvor in Norwegen wegen Marihuana-Besitzes verhaftet wurde. Das Feuilleton breitete ihre Eskapaden stets mit Genuss aus, Boulevardzeitungen ließen sie vorab mit penetranter Regelmäßigkeit sterben, die Songzeile eines Liedes, in dem sie von gebrochenen Herzen erzählt, „I died hundred times“ falsch interpretiert; beispielsweise sprach die Weltwoche bereits 2008 vom vielleicht letzten Artikel über die Sängerin.

Amy Winehouse war gefangen und einzementiert in einer gläsernen Welt der Stars, zwar mit Talent und kraftvoller Stimme ausgestattet, kraftlos jedoch in ihren Bemühungen ihr privates Glück zu finden, ungeeignet den Verlockungen eines exzessiven Künstlerlebens zu widerstehen oder standzuhalten.

Drogen, Entzug, Festnahmen, Familienkämpfe und peinliche Selbstentblößungen - das alles war bei Winehouse immer sichtbar bis ins Detail. Und als bittere Ironie des Schicksals zu werten ist die Tatsache, dass Winehouse nicht mehr am Leben ist, während der britische Boulevardjournalismus in Großbritannien um sein Überleben ringt.

Die Bühnenauftritte von Amy gingen oft nahtlos über in Aufenthalte in Entzugskliniken, die Bilder ihres derangierten Äußeren sind Legende, ihre erschreckend dünnen Arme fast ein Markenzeichen. Sie, die mit ihrem eigenwilligen Stil, ihrer Radikalität die authentisch wirkte, der Verweigerung gegenüber angepassten Schönheitsidealen zur Ikone wurde - immerhin schickte Karl Lagerfeld ihr nachempfundene Models über den Laufsteg -, sie nistete sich laufend in den Erinnerungen der Menschen als Trauerspiel ihrer selbst ein, und nicht als eine Frau, die eine der beeindruckendsten Stimmen des Soul hatte.

Ihr Tod bietet die Gewissheit, dass der Mythos Winehouse entsteht, ein Tod der Fragen offen lässt, jedoch ihre Eintrittskarte in den Club 27. Der Club 27, das sind Musiker die im Alter von 27 Jahren einen Tod erlitten, der auf Rauschmittel oder andere Suchtgifte zurückzuführen ist, und die zu den einflussreichsten Musikern der Rockgeschichte zählen. Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain. Nebenbei bemerkt, im Frühjahr 2011 erschien das Buch „27“ von Kim Frank, dessen Protagonist Mika, ein Musiker mit rasantem Aufstieg, panische Angst davor hat mit 27 Jahren den genannten Musikgrößen in den Tod folgen zu müssen.

Aber 27 ist nur eine Zahl, in der Popmusik halt eine voller Trauer, einer Trauer, in der auch die Bitterkeit mitschwingt, niemals hören können, was diese Musiker und Musikerinnen in 30 oder 40 Jahren produziert hätten……...

 

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